Rentenlücke berechnen: so finden Sie Ihre echte Zahl
Von Ufuk Köroglu, Geschäftsführer Betongold Elite · aktualisiert am 13.10.2026
Kurz beantwortet
Die Rentenlücke ist die Differenz zwischen Ihrem monatlichen Bedarf im Ruhestand und Ihrer voraussichtlichen Nettorente. Nehmen Sie den Bruttobetrag aus der Renteninformation, ziehen Sie Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern ab, rechnen Sie den Bedarf mit der Inflation hoch – und vergleichen Sie beides.
Warum die Zahl auf der Renteninformation täuscht
Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung nennt eine voraussichtliche Rente – brutto und auf Basis heutiger Werte. Was davon im Ruhestand tatsächlich auf dem Konto ankommt und was es dann noch wert ist, steht dort nicht. Genau daraus entsteht die Lücke, die viele erst kurz vor der Rente bemerken.
Schritt 1: Ihren Bedarf festlegen
Schreiben Sie auf, was Sie heute monatlich zum Leben brauchen – Wohnen, Lebensmittel, Mobilität, Versicherungen, Freizeit, Reisen. Überlegen Sie dann, was sich im Ruhestand ändert: Fahrtkosten zur Arbeit entfallen, eine abbezahlte Wohnung senkt die Wohnkosten, dafür steigen oft Ausgaben für Gesundheit und Freizeit. Viele Ruheständler brauchen am Ende mehr, als sie erwartet haben.
Schritt 2: Die Nettorente ermitteln
Nehmen Sie die voraussichtliche Bruttorente aus Ihrer Renteninformation und ziehen Sie ab:
- Kranken- und Pflegeversicherung: Gesetzlich versicherte Rentner zahlen ihren Anteil am Beitrag, zusammen grob ein Zehntel bis ein Achtel der Rente.
- Einkommensteuer: Renten werden nachgelagert besteuert. Bei Rentenbeginn im Jahr 2026 sind 84 Prozent der Rente steuerpflichtig; der Anteil steigt für jeden späteren Jahrgang weiter, bis Renten ab 2058 voll steuerpflichtig sind. Ob tatsächlich Steuer anfällt, hängt von Ihren gesamten Einkünften ab – Mieteinnahmen oder Betriebsrenten zählen mit.
Bei Selbstständigen, Ärztinnen, Apothekern und anderen Kammerberufen tritt an die Stelle der gesetzlichen Rente meist das Versorgungswerk. Das Prinzip der Rechnung ist dasselbe.
Schritt 3: Inflation berücksichtigen
Was heute 3.000 Euro kostet, kostet bei 2 Prozent Inflation in 20 Jahren rund 4.460 Euro, in 30 Jahren rund 5.430 Euro. Rechnen Sie Ihren Bedarf deshalb auf das Jahr Ihres Renteneintritts hoch – oder rechnen Sie alles in heutiger Kaufkraft, dann aber konsequent auf beiden Seiten.
Schritt 4: Die Lücke berechnen
Rentenlücke = Bedarf im Ruhestand − Nettorente (− weitere sichere Einkünfte)
Ein Beispiel in heutiger Kaufkraft
| Posten | Betrag pro Monat |
|---|---|
| Bedarf im Ruhestand | 3.000 € |
| Bruttorente laut Renteninformation | 2.400 € |
| abzüglich Kranken- und Pflegeversicherung (grob) | − 295 € |
| abzüglich Einkommensteuer (grob, abhängig vom Einzelfall) | − 180 € |
| Nettorente | 1.925 € |
| Rentenlücke | 1.075 € |
Über 20 Jahre Ruhestand sind das mehr als 250.000 Euro, die aus anderen Quellen kommen müssen – in heutiger Kaufkraft.
Wie man die Lücke schließen kann
Grundsätzlich gibt es zwei Wege: ein Vermögen ansparen, das im Ruhestand nach und nach verbraucht wird (etwa ein Wertpapierdepot), oder eine laufende Einnahme aufbauen, die im Ruhestand weiterfließt. Eine vermietete, bis zum Renteneintritt weitgehend abbezahlte Wohnung gehört zur zweiten Kategorie: Die Miete fließt, solange die Wohnung vermietet ist, und passt sich über die Jahre an das Mietniveau an. Mehr dazu unter Altersvorsorge mit Immobilien.
Häufige Fehler
- Mit der Bruttorente statt der Nettorente rechnen.
- Die Inflation ignorieren.
- Den eigenen Bedarf zu niedrig ansetzen.
- Zu spät anfangen – je weniger Jahre bleiben, desto höher die nötige Sparleistung.
Häufige Fragen
Wo finde ich meine voraussichtliche Rente?
In der jährlichen Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung ab 27 Jahren, bei Mitgliedern eines Versorgungswerks in dessen jährlicher Mitteilung.
Wie hoch ist die durchschnittliche Rentenlücke?
Durchschnittswerte helfen wenig, weil Bedarf und Ansprüche sehr unterschiedlich sind. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen – das dauert eine halbe Stunde.
Ab welchem Alter sollte ich die Lücke schließen?
So früh wie möglich. Bei einer finanzierten Immobilie sollte das Darlehen bis zum Ruhestand im Wesentlichen getilgt sein; deshalb ist ein Einstieg zwischen 30 und 50 besonders günstig.
Zählen Mieteinnahmen bei der Rentenbesteuerung mit?
Ja, sie sind eigene Einkünfte und werden zusammen mit der Rente versteuert. Dafür mindern Abschreibung und Kosten die steuerpflichtigen Mieteinkünfte.
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Rechnen wir es mit Ihren Zahlen durch
Fünfzehn bis dreißig Minuten per Telefon oder Video: Einkommen, Eigenkapital, Zeithorizont. Danach wissen Sie, ob eine vermietete Wohnung zu Ihnen passt – auch wenn die Antwort nein lautet.
Termin auswählenDieser Beitrag ist eine allgemeine Information (Stand: Oktober 2026) und ersetzt keine Steuer-, Rechts- oder Anlageberatung. Wie sich eine Immobilie in Ihrem Fall auswirkt, hängt von Ihrer persönlichen Situation ab und gehört mit Ihrem Steuerberater besprochen. Immobilien sind eine langfristige Anlage; Wertentwicklung und Mieteinnahmen sind nicht garantiert.